Fachkräftemangel in Tourismus und Gastgewerbe

Hotellerie und Gastgewerbe, insbesondere die Nachtgastronomie, hatten unter den Corona-Maßnahmen stark zu leiden. Bereits vorher gab jeder dritte Betrieb Probleme bei der Personalsuche an. Aufgrund von Lockdowns und der ungewissen Situation, wie sich die betriebliche Zukunft weiter entwickelt, haben viele Mitarbeiter der Tourismusbranche den Rücken gekehrt.

Die Ausbildungszahlen im Gastgewerbe sind derzeit so niedrig wie in den 80er Jahren und Koch und Restaurantfachmann rangieren weit vorn in der Hitliste der unbeliebtesten Ausbildungsberufe. Fast jeder Zweite bricht seine begonnene Ausbildung in diesem Bereich ab. Dieses Phänomen betrifft nicht nur Deutschland, sondern den gesamten deutschsprachigen Raum, auch in Österreich und der Schweiz schaut die Personalsituation nicht viel besser aus.

Die Pandemie hat das Problem zweifelsohne verstärkt, aber das Gastgewerbe galt bereits zuvor als unattraktiver Arbeitgeber. Stress, Überstunden, unregelmäßige Arbeitszeiten, wenig Aufstiegschancen und schlechte Entlohnung sind mitunter die angeführten Gründe dafür.

 

Was tun gegen Fachkräftemangel im Tourismus?

Darauf hoffen, dass jene Fachkräfte zurückkehren, welche der Branche pandemiebedingt den Rücken gekehrt haben, ist wohl vergeblich. Natürlich muss das Image der Berufe in der Tourismusbranche verbessert und die oben genannten Baustellen angegangen werden. Höhere Gehälter, flexiblere Arbeitszeitmodelle und eine interessante Gestaltung der Ausbildungsinhalte wären ein guter Start.

Genauso wichtig ist es jedoch, Mitarbeiter an Ihr Unternehmen zu binden. Die Branche ist sehr anfällig für Abwerbungsversuche, und bei einem besseren Angebot sagt kaum jemand nein, außer er identifiziert sich stark mit dem Unternehmen, was im Angestelltenverhältnis in der Tourismusbranche allerdings eher selten vorkommt.

 

Mitarbeiter-Journey zur Bindung an das Unternehmen

Mitarbeiter, die sich im Betrieb wohl fühlen und sich als Teil des Teams betrachten, können schwieriger abgeworben werden. Doch wie erreichen Sie, dass sich Ihre Mitarbeiter als Teil des Unternehmens sehen? Der Begriff der Customer Journey aus dem Marketing, der die einzelnen Zyklen beschreibt, welche ein Kunde durchläuft, bis er ein Produkt kauft, ist vielleicht bekannt. Und immer mehr Betriebe erkennen, dass eine solche Journey nicht nur wichtig zur Kundenbindung, sondern auch zur Mitarbeiterbindung ist.

Bei der Mitarbeiter-Journey geht es darum, mit welchen Punkten in Ihrem Unternehmen kommt der Mitarbeiter in Berührung und wie fühlt er sich dabei? Üblicherweise startet das Ganze mit dem Einstellungsprozess, dem Onboarding. Eine Mitarbeiterbefragung hilft dabei, Ihnen ein Gefühl dafür zu geben, ob Einstellungsgespräche und Arbeitsbeginn in Ihrem Betrieb den Vorstellungen der Mitarbeiter entsprechen. Haben sie alle wichtigen Informationen vor Arbeitsbeginn erhalten, war die Einschulungsphase ausreichend, war das restliche Team hilfsbereit etc. Natürlich werden diese Befragungen anonym durchgeführt, da sonst kaum mit einer wahrheitsgemäßen Resonanz zu rechnen ist.

Der nächste Berührungspunkt ist die tägliche Arbeit. Gibt es Überlastung oder Unterforderung, ist die Beschäftigung eintönig, sind alle benötigten Arbeitsmittel vorhanden etc.?

Wenn Ihren Mitarbeitern Essen angeboten wird, ist auch dieses ein wichtiger Punkt. Haben sie das Gefühl, qualitativ hochwertiges Essen zu erhalten oder fühlen sie sich eher als Resteverwerter der Gäste? Diese Art der Wertschätzung wirkt sich oft mehr auf die Stimmung der Mitarbeiter aus, als man glauben würde.

Wichtig ist auch der Umgang mit dem Mitarbeiter, wenn er sich entschließt, das Unternehmen zu verlassen. Erkundigen Sie sich stets nach dem Warum und sehen Sie darin die Chance, sich in Zukunft zu verbessern.

 

Wie werden diese Befragungen durchgeführt?

In der Praxis können Sie beispielsweise eine jährliche Mitarbeiterbefragung durchführen, welche ein breites Themenspektrum abdeckt. Wichtig ist, wenn erkennbarer Verbesserungsbedarf besteht, dass die Baustellen unbedingt angegangen werden. Ansonsten werden Ihre Mitarbeiter unzufrieden und fühlen sich nicht ernst genommen.

Befragungen sind auch bei Bedarf möglich, beispielsweise können neue Mitarbeiter einen Befragungsbogen über ihren Einstellungsprozess erhalten.

Regelmäßige Feedbacks sind auch notwendig, um Stärken und Schwächen der Führungskräfte beurteilen zu können und Verbesserungsmaßnahmen einleiten zu können.

 

Tourismus – eine nach wie vor gefragte Branche

Wer glaubt, der Tourismus befinde sich auf einem absteigenden Ast und die Pandemie hat die Reiselust der Deutschen dauerhaft getrübt, der irrt. Die meisten Beschränkungen wurden inzwischen aufgehoben, die Menschen sehnen sich nach Ortswechsel, Urlaub und Genuss. Die Buchungs- und Reservierungslage ist kontinuierlich steigend.

Nicht jeder Mitarbeiter konnte durch Kurzarbeitergeld im Betrieb gehalten werden, Minijobber und studentische Hilfskräfte wurden gekündigt und suchten sich andere Betätigungsfelder. Diese fehlen nun natürlich an allen Ecken, haben aber inzwischen andere Jobs und sind an andere Arbeitszeiten und freie Wochenenden gewöhnt. Es gibt keinen Markt an Köchen und Kellnern, auf welche zurückgegriffen werden kann, weil jeder aus der Branche Personal sucht. Je nach Region bekommen Sie also gar nicht Chance, zu sagen, warum es sich lohnt, für Sie zu arbeiten, dass es sich eigentlich um tolle Berufe handelt, weil keiner mehr da ist, dem Sie es sagen könnten.

Zur Folge hat der Fachkräftemangel, dass Menüangebote verkleinert werden, Öffnungszeiten geändert (mehr Ruhetage, nur abends oder mittags geöffnet etc.) und natürlich das verbliebene Personal enorm anpacken muss. Das führt in der Regel zu Überlastung und Unzufriedenheit und noch ein paar Mitarbeitern mehr, welche den Betrieb schlussendlich verlassen.

Kurzfristig kann mancher Bedarf mit Arbeitskräften aus dem Ausland überbrückt werden, beispielsweise sind auch jetzt viele Arbeitskräfte aus der Ukraine auf Jobsuche, dennoch ist dies keine Dauerlösung. Zudem haben viele Betriebe mit dem Problem der steigenden Betriebskosten, den explodierenden Energiekosten und den steigenden Lebensmittelpreisen zu kämpfen.

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